Emergency Layer System
Klassische Erste-Hilfe-Sets sind oft unstrukturiert, unpraktisch und wenig nachhaltig. Fehlende Übersicht und unklare Anleitungen erschweren lebensrettende Maßnahmen – besonders für Menschen ohne medizinische Vorkenntnisse. Ziel dieses Projekts war es, ein modulares Notfallsystem zu entwickeln, das intuitiv, effizient und ressourcenschonend funktioniert. Es eignet sich besonders für den Einsatz in Regionen mit begrenztem Zugang zu medizinischem Material.
Das System ist nach Dringlichkeit in drei Ebenen gegliedert: kritische Blutungen, Maßnahmen gegen Unterkühlung und Evakuierung sowie Versorgung kleinerer Verletzungen. Visuelle Indikatoren erleichtern die Anwendung, während angepasste Produkte aus dem Rettungsdienst Risiken minimieren. Die Komponenten sind steck- oder schraubbar, nicht verklebt – so können sie leicht gereinigt oder ausgetauscht werden. Das spart Kosten und schont Ressourcen.
Die besondere Stärke liegt in der klaren Struktur, nachhaltigen Gestaltung und dem breiten Einsatzspektrum. Durch die gezielte Priorisierung ist das System schneller und sicherer als herkömmliche Erste-Hilfe-Sets. Es lässt sich durch genormte Systeme erweitern und in bestehende Strukturen integrieren – für eine skalierbare, zukunftsfähige Notfallversorgung weltweit.
Prozess
Der Entwicklungsprozess war stark durch meine Erfahrungen im Rettungsdienst und als Erste-Hilfe-Ausbilder geprägt. Eine zentrale Herausforderung war die Auswahl wirklich lebensrettender Produkte. Schnell wurde deutlich, dass Verletzungen oft komplex sind und dadurch auch mehrere Hilfsmittel notwendig werden. Um Überforderung zu vermeiden, entstand die Struktur, bei der die wichtigsten Produkte ganz vorne einsortiert sind – nach Dringlichkeit gestaffelt. So bleibt die Orientierung auch in Stresssituationen erhalten.
Im User-Testing zeigte sich, dass Anleitungen häufig übersehen werden, wenn sie nicht direkt am Produkt angebracht sind. Viele Menschen vertrauen ihrer Intuition nicht, wenn sie nicht klar durch jeden Schritt geführt werden. Daher wurde der Aufbau so gestaltet, dass jede Maßnahme visuell begleitet wird. Besonders auffällig war der Umgang mit professionellen Produkten wie Tourniquet oder Trauma-Bandage: Diese stammen ursprünglich aus dem Rettungsdienst, wurden von Profis für Profis entwickelt und sind dort sehr effektiv – setzen aber Vorerfahrung voraus. Gleichzeitig fehlt es in klassischen Erste-Hilfe-Sets oft an solchen hochwertigen Produkten, weil aus Kostengründen meist einfache, schwer verständliche Alternativen verwendet werden. Deshalb war es mir wichtig, diese leistungsfähigen Kombiprodukte so weiterzuentwickeln, dass auch Laien sie sicher und effektiv anwenden können. Diese Erkenntnis war entscheidend für das Design und die Struktur des gesamten Systems.
Motivation
Meine Motivation für dieses Projekt rührt aus meiner ehrenamtlichen Arbeit im Wasserrettungsdienst. Dort habe ich oft gesehen, dass viele Menschen gerne helfen wollen und auch Interesse an Erster Hilfe haben – so auch ich. Gleichzeitig habe ich jedoch festgestellt, dass der Notruf in vielen Fällen aus Einsamkeit oder aus dem Bedürfnis nach Komfort gewählt wird, weil es als selbstverständlich angesehen wird, dass Hilfe immer schnell verfügbar ist. Diese Veränderung im Bedarf an Notfallressourcen hat mich frustriert. Zudem habe ich erlebt, wie viel im Rettungsdienst weggeschmissen wird, was mich noch mehr motiviert hat, eine Veränderung zu bewirken.
Ich will das Notfallsystem nicht komplett überdenken und umkrempeln, sondern einen kleinen, aber realistischen Schritt in die richtige Richtung machen, um das System zu verbessern. Mein Ziel ist es, Lösungen zu entwickeln, die sowohl in entwickelten Ländern als auch in ressourcenärmeren Regionen effektiv sind, um so zu einer nachhaltigeren und praktischeren Notfallhilfe beizutragen.
HTW Berlin
Projektbilder
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