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VDID Veranstaltung Vortrag

DWD zu VDIDfragt - Wirtschaftslage

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  • 21.05.2026
  • 18:00 - 19:30 h
  • Online

VDIDfragt 2025: Was die Zahlen zeigen – und was der Diskurs ergänzt

Über die Hälfte der Auftragssummen bei soloselbständigen Industriedesigner:innen liegen unter 25.000 €. In manchen In-House-Designteams wäre ohne den Bereich UX heute kaum noch jemand beschäftigt. Und Masterstudierende rechnen mit Einstiegsgehältern, die niedriger ausfallen als die Erwartungen ihrer Bachelor-Kommiliton:innen.
Mit „VDIDfragt 2025“ hat die Projektgruppe WirtschaftsMacht Industriedesign zum dritten Mal die wirtschaftliche Lage der Branche erhoben und am 21. Mai 2026 erstmals öffentlich zur Diskussion gestellt. Manche Zahl bekam dabei erst ihre Wucht.

1. Drei Jahre VDIDfragt – und ein Diskurs zu den Ergebnissen

Mit VDIDfragt 2025 hat die Projektgruppe „WirtschaftsMacht Industriedesign“ des VDID zum dritten Mal die wirtschaftliche Lage der Industriedesignbranche erhoben. Wie geht es uns wirtschaftlich? Wo stehen wir? Welche Themen bewegen uns? Diese Fragen haben uns rund 100 Industriedesigner:innen beantwortet – 28 Angestellte, 27 Studierende und 45 Selbständige.

Letztes Jahr ordnete Linda Schmidt die Ergebnisse von „VDIDfragt 2024“ in einem immer noch lesenswerten Fachbeitrag auf der VDID Website ein. Dieses Jahr haben wir besonderen Wert darauf gelegt, die Ergebnisse im Rahmen der Reihe „Design.Wissen.Diskurs.“ öffentlich zu diskutieren. Am 21. Mai 2026 haben drei Kollegen aus der Projektgruppe jeweils einen der drei Bereiche vorgestellt: Thorsten Dreßler den Bereich der Angestellten, Simon Mayer die Studierenden und Markus Hillemann die Selbständigen. In der anschließenden Diskussion wurde manche Zahl in ein anderes Licht gerückt.

2. Drei Gruppen, drei Realitäten

Bei den angestellten Designer:innen zeigt sich ein nach Beschäftigungsform differenziertes Bild: In Designagenturen verdient mit 37 % der größte Anteil bis 45.000 € jährlich, in Industrieunternehmen liegen 46 % bereits bis 75.000 €. Die Zufriedenheit mit dem Gehalt folgt dem: In der Agentur ist sie fifty-fifty, im Industrieunternehmen sind 77 % zufrieden. Auch die Umsatzentwicklung des Arbeitgebers fällt unterschiedlich aus: 50 % der befragten Designagenturen konnten 2025 keine Umsatzsteigerung verzeichnen, in Industrieunternehmen sieht es etwas besser aus.

Bei den Studierenden zeigt sich, was schon 2024 sichtbar wurde: Praktika werden weiterhin überwiegend unter Mindestlohn vergütet – bei Pflichtpraktika gesetzlich gedeckt, aber auch bei freiwilligen Praktika in 50 % der Fälle. Spannend ist die Verschiebung zwischen Bachelor und Master: Während Bachelorstudierende die Lehre überwiegend positiv bewerten und sich gut auf den Berufseinstieg vorbereitet fühlen, kippt die Stimmung im Master Richtung Skepsis. Auch die Gehaltsvorstellungen werden vorsichtiger – nur noch 8 % der Masterstudierenden rechnen mit mehr als 55.000 € Einstiegsgehalt. Realismus oder Resignation? Das bleibt offen.

Im Bereich der Selbständigen sind die Befunde am drastischsten. Bei Soloselbständigen liegen über 50 % der Angebotssummen unter 25.000 €, bei einem signifikanten Anteil sogar unter 5.000 €. Zwei Drittel konnten den Umsatz im Vorjahr nicht steigern. Akquise und KI sind die fachlichen Topthemen – und beide hängen eng zusammen, wie sich später in der Diskussion zeigte.

3. Hardware war gestern? Der Shift Richtung Software und UX

Eine der eindrücklichsten Beobachtungen kam aus dem In-House-Design-Team eines großen, international tätigen Unternehmens: „Wenn wir den Bereich UX nicht hätten, dann wären wir schon tot.“ Das Hardware-Designteam dort ist in zwölf Jahren von sechs auf fünf Personen geschrumpft – das UX-Team auf das Dreifache gewachsen. Diese Verschiebung ist kein Einzelfall. 25 % der angestellten Designer:innen geben UX als ihr Arbeitsfeld an, und ein selbständiger Kollege aus dem Investitionsgüterbereich schilderte, wie er den schrumpfenden Markt für Hardware-Design gezielt durch den Einstieg in UX-Design für seine Bestandskunden kompensiert hat.

Gleichzeitig zeichneten Stimmen aus der Praxis ein ernüchterndes Bild des Maschinenbaus und der Investitionsgüter. Ein Soloselbständiger berichtete von Angeboten, bei denen deutsche Maschinenbauer gegenüber Wettbewerbern aus dem Ausland um den „Faktor 2 bis 4“ zu teuer seien – nicht Prozent, Faktor. Selbst Premiumkunden entscheiden sich am Ende für Economy-Lösungen. China ist dabei nicht mehr nur Produktionsstandort, sondern entwickelt zunehmend eigenständig Design. Die wirtschaftlichen Herausforderungen, die in der Umfrage am häufigsten genannt wurden – steigender Kostendruck, mangelnde Wertschätzung von Designleistung – sind nicht abstrakt. Sie haben Branchen, Projekte, konkrete Gespräche.

4. Die prekäre Mitte: Soloselbständige zwischen Kleinprojekten und Akquisedruck

Über 50 % der Angebotssummen bei Soloselbständigen liegen unter 25.000 €. Diese Zahl wirkt zunächst abstrakt – bis ein Soloselbständiger aus der Diskussion sie konkret macht: Bei Projekten mit einer durchschnittlichen Höhe von 5.000 bis 7.500 € sei der Aufwand rund um die eigentliche Projektarbeit im Vergleich zur Auftragssumme enorm. „Da macht man wirklich lieber zwei große Projekte.“ Die Kleinteiligkeit kostet überproportional viel Energie. Wer keine großen Projekte hat und stattdessen zahlreiche kleine Projekte gleichzeitig bearbeiten muss, hat es schwer, diesen Kreislauf zu durchbrechen.

Auch die Umsätze zeichnen ein deutliches Bild. 42 % der Soloselbständigen geben an, im vergangenen Jahr weniger als 45.000 € Umsatz erwirtschaftet zu haben, weitere 29 % liegen zwischen 45.000 und 75.000 €. Damit machen mehr als zwei Drittel weniger als 75.000 € Umsatz. Wohlgemerkt: Umsatz, nicht Gewinn. Was nach Abzug von Betriebskosten, Versicherungen und Steuern bleibt, fällt deutlich niedriger aus – 67 % geben einen persönlichen Gewinnanteil von unter 45.000 € an. Ein insgesamt sehr niedriges Niveau.

Hier setzte ein externer Gast den vielleicht wichtigsten Kontrapunkt des Abends: Für jüngere Selbständige sei die Situation noch deutlich schwieriger. Ohne Referenzen und ohne Kontakte in den Mittelstand sei der Vertrieb kaum machbar. Er kenne begnadete Talente, die aufgeben mussten. Akquise ist eben nicht nur ein fachliches Thema in einer Umfrage, sondern oft eine Existenzfrage. Es passt, dass sich die Projektgruppe seit Anfang dieses Jahres genau mit Akquise als Schwerpunkt beschäftigt.

Auch das Selbstbild der Selbständigen ändert sich generationell. Wo früher der „Designstar“ oder die Karriere im renommierten Studio als Ideal galten, dominiert heute das nüchterne Einzelunternehmen. Realistischer, geerdeter – manchmal auch resignierter.

5. Studierende: Realismus statt Optimismus

Die Stimmung unter den Studierenden ist gespalten. Bachelorstudierende sind überwiegend zufrieden mit ihrem Studium und blicken offen in die Zukunft. Viele wissen noch nicht, in welchem beruflichen Umfeld sie später arbeiten möchten. Im Master kippt das. Die Zufriedenheit sinkt, die Gehaltsvorstellungen werden vorsichtiger.

Besonders auffällig: Die Selbständigkeit oder Freelancing als Berufsziel ist bei Masterstudierenden praktisch verschwunden. Was sich in der Solo-Selbständigen-Statistik abzeichnet – schwierige Auftragslage, niedrige Angebotssummen, Akquise als Dauerproblem – scheint bei der nächsten Generation angekommen zu sein. Wer schon im Studium die Aussichten realistisch einschätzt, wählt vorsichtiger.

Was bleibt, ist die Praktikumsfrage. Ein Drittel der Pflichtpraktika unter Mindestlohn. Und auch bei freiwilligen Praktika sieht es kaum besser aus. Wenn Designausbildung Berufsvorbereitung sein soll, ist das ein Signal, das schon 2024 in den Befunden stand. Es steht 2025 immer noch.

6. Was die Daten nicht sagen

So aufschlussreich die Zahlen sind, vollständig sind sie nicht. Mit rund 100 Teilnehmenden ist die Umfrage kein repräsentatives Abbild der Branche, sondern ein Stimmungsbild. Manche Fragestellungen waren in der Diskussion erkennbar verbesserungsfähig: Gehälter sollten künftig in Relation zu Alter und Berufserfahrung erhoben werden, der Begriff „weitere Einnahmequellen“ wurde von den Befragungsteilnehmern sehr unterschiedlich interpretiert. Ein Teilnehmer wies außerdem darauf hin, dass Lizenzhonorare in der Praxis selten eine separate Einnahme bilden, sondern oft lediglich eine zeitliche Verlagerung des Designhonorars. Anders ausgedrückt: Das Risiko trägt dann der Designer.

Wir nehmen diese Beobachtungen mit. Die Projektgruppe wird die Umfrage „VDIDfragt“ weiter schärfen, präzisieren und gezielter auf die Themen ausrichten, die im Diskurs als zentral hervorgetreten sind.

7. Was bleibt: Der Wert des Austauschs

Vielleicht ist das wichtigste Ergebnis des Abends keine Zahl, sondern eine Tonlage. Es war eine ehrliche Diskussion. Nicht beschönigend, nicht alarmistisch. Mit Stimmen, die sich gegenseitig zugehört haben – aus dem In-House-Design, aus der Soloselbständigkeit, aus dem Design-Büro. Und mit einem externen Gast, der den Abend mit seinen Beobachtungen bereichert hat.

Industriedesign in Deutschland steht unter Druck. Das ist keine neue Erkenntnis, aber sie wird konkreter. Verschiebung von Hardware-Design zu Software-Design. Schrumpfende Auftragsvolumen bei wachsendem Akquisedruck. Eine Generation, die anders auf die Branche schaut. Was den VDID zum Ort dieser Diskussion macht, ist nicht das Format. Es ist die Tatsache, dass diese Gespräche zwischen Generationen und Beschäftigungsformen überhaupt geführt werden.

Wer die wirtschaftliche Realität verändern will, braucht erst einmal den Raum, sie zu beschreiben. Diesen Raum haben wir an diesem Abend geschaffen. In den kommenden Monaten arbeitet die Projektgruppe daran, aus diesem Diskurs konkrete Werkzeuge für die Mitglieder zu entwickeln – insbesondere zum Thema Akquise, das aus der Diskussion als drängendstes Thema hervorging.

Alle öffentlichen Zahlen aus VDIDfragt2025 - Wirtschaftliche Lage der Industriedesigner - finden Interessierte im Anhang.

Michael Grewer, VDID Projektgruppe Wirtschaft

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