Design im Zeitalter von Daten und KI
- 18.02.2026
- 18 - 20 h
- Online via Zoom
Die VDID Projektgruppe KI lud am 18.02.2026 zu einem Design.Wissen.Diskurs. mit Dr. Katharina Schüller - die uns mit Ihrem Vortrag unter dem Titel "Zwischen Intuition und Algorithmus - Design im Zeitalter von Daten und KI" in das Spannungsfeld Mensch-Daten-KI mitnahm.
Der Vortrag von Katharina Schüller, den wir auf Einladung der KI Gruppe „AI empowering ID“ des VDID online auf Zoom erleben durften, war ebenso inspirierend wie ernüchternd. Er machte die zentrale Spannung unserer Zeit sichtbar: die Diskrepanz zwischen menschlicher Kreativität und dem, was künstliche Intelligenz tatsächlich leisten kann.
Denn wir Menschen leben in kulturellen Zusammenhängen. Wir entwickeln Haltungen, setzen Dinge in Beziehung, erkennen Bedeutungen und verstehen Kontexte. Wir wissen intuitiv zu bewerten, können Relevanz einschätzen und handeln aus Erfahrung, Intuition und Weltverständnis.
KI kann das nicht.
KI denkt nicht. KI versteht nicht. KI kennt keine Bedeutung.
Sie ist reine Wahrscheinlichkeit — ein System, das Daten verarbeitet, Muster erkennt und Algorithmen ausführt.
Der Mensch hingegen bleibt derjenige oder diejenige, die kreativ vorausdenkt.
Diese Erkenntnis ist nicht neu. Bereits Ada Lovelace, die erste Programmiererin, erkannte das Potenzial der frühen Rechenmaschine von Charles Babbage — und zugleich ihre Grenzen: Maschinen folgen Anweisungen, sie erzeugen nichts aus eigenem Verständnis heraus.
So lässt sich die Beziehung zwischen Mensch und KI als Meister-Lehrlings-Verhältnis beschreiben: Der Mensch als Meister füttert die Maschine, den Lehrling, der kopiert, nachahmt und auf Anweisung handelt. KI ist ein unermüdlicher, übereifriger Sparringspartner — schnell, leistungsfähig, aber ohne Verantwortung und ohne eigenes Urteil.
Wer über KI spricht, muss daher ihre Grenzen kennen. KI simuliert Bedeutung, ohne sie zu verstehen. Sie erkennt keinen Kontext, keine kulturelle Tiefe, keine soziale Dimension. Sie kann statistische Trends sichtbar machen, aber nicht deren Sinn erfassen.
Wie der Mensch ist auch KI konditioniert: Gelerntes wird reproduziert, Nicht-Gelerntes existiert nicht. Doch während Menschliches Lernen von neuen Erfahrungen und achtsamer Reflexion getragen wird, speist sich KI ausschließlich aus bereits vorhandenen Daten. Daraus entsteht langfristig eine Ästhetik des Erwartbaren — glatt, durchschnittlich, austauschbar. KI trifft den Mittelwert. Das Überraschende bleibt aus.
Die Konsequenz daraus ist klar: Vertrauen ja — aber nur mit wacher Skepsis.
Gerade für uns Designerinnen und Designer ergibt sich daraus eine neue Verantwortung. Unsere Rolle verschiebt sich vom Gestalten zum Führen, vom Produzieren zum Kuratieren. Wir müssen lernen, konzeptionell zu denken, abstrakte Ideen präzise zu formulieren und algorithmische Logiken zu verstehen, um KI bewusst zu steuern statt ihr zu folgen.
Design wird damit zunehmend zu einer strategischen und kuratorischen Praxis: Orientierung geben, Botschaften schärfen, Perspektiven verständlich machen, interdisziplinär handeln und Entscheidungen ethisch reflektieren.
Damit stehen wir auch vor grundlegenden Fragen: Was ist Kreativität? Was bedeutet Denken? Was ist Intuition?
Und vielleicht noch entscheidender: Was heißt es, Mensch zu sein? Was macht uns als Menschen aus — und wie können wir dieses Menschsein stärken?
Dr. Sybs Bauer
Impressionen zur Veranstaltung
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