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Partner-Veranstaltung Wettbewerb

VDID im Gespräch mit DNP winner Movisi

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  • 05.12.2025
  • DNP Düsseldorf

Die Movisi GmbH, die beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2025 ausgezeichnet wurden, entwickelt nachhaltige, modulare Leichtbaumöbel für Privathaushalte, Büros, Messen und Events, die zu 100% recycelbar sind. Diese Möbel bieten Flexibilität und reduzieren Abfall. Hergestellt werden sie in Deutschland aus schadstofffreien Monomaterialien wie EPP (95%).

Christina Sieghart vom VDID sprach mit Natascha Stojanović, Geschäftsführerin der Movisi GmbH.

VDID: Frau Stojanović, Sie haben kürzlich einen Preis erhalten – herzlichen Glückwunsch! Möchten Sie sich unseren Leser:innen kurz vorstellen?

Natascha Stojanović: Vielen Dank! Ich bin Gründerin und Geschäftsführerin der Movisi GmbH mit Sitz in Stuttgart.

VDID: Wann wurde Ihr Unternehmen gegründet?

Stojanović: Wir haben Movisi im Jahr 2009 gegründet – mitten in der Finanzkrise.

VDID: Sie sind ausgebildete Industriedesignerin und wo haben Sie studiert?

Stojanović: Genau, ich bin Produkt- bzw. Industriedesignerin: Zunächst am Istituto Europeo di Design in Mailand, später habe ich noch einen Master in Designphilosophie am Central Saint Martins College of Art and Design in London absolviert.

VDID: Mailand ist ja berühmt für die Möbelmesse. Früher ein Hotspot der Branche – heute ist der Möbelmarkt durch den Onlinehandel stark im Wandel. Wie sind Sie mit dieser Entwicklung umgegangen?

Stojanović: Für uns war der Onlinehandel nie ein Problem – im Gegenteil. Wir produzieren modulare Leichtbaumöbel, die sich hervorragend für den Versand eignen. Unsere Produkte bestehen zu 95 % aus Luft, sind extrem leicht und werden platzsparend in Kartons verpackt. Es gibt bei uns nur ein einziges Modul, das als Basis für alle Möbel dient. Das macht den Versand einfach und effizient. Wir liefern weltweit und haben nie mit schweren oder verklebten Produkten gearbeitet. Der Onlinehandel war für uns von Anfang an ein Vorteil.

VDID: Haben Sie direkt nach dem Studium gegründet oder zunächst in der Industrie gearbeitet?

Stojanović: Ich war zunächst in der Industrie tätig – unter anderem im Ausland, etwa in Jordanien, im Bereich Architektur und Innenarchitektur. Später habe ich in Deutschland für ein Unternehmen gearbeitet, das den Rohstoff herstellt, den wir heute bei Movisi verwenden. Dort war ich im Marketing tätig, unter anderem als Marktanalystin. Als einzige Industriedesignerin im Unternehmen war ich dafür verantwortlich, neue Anwendungsfelder für das Material zu erschließen, das zuvor hauptsächlich in der Automobil- und Verpackungsindustrie eingesetzt wurde.

VDID: Um welches Material handelt es sich?

Stojanović: Unser Hauptmaterial ist expandiertes Polypropylen – im Grunde genommen wie Tupperware, nur mit mindestens 95 % Luftanteil. Es handelt sich um ein Monomaterial, das heißt: keine Weichmacher, keine Beschichtungen, keine Verklebungen, keine Scharniere, kein Werkzeug notwendig. Das macht unsere Möbel extrem leicht und vollständig recycelbar. Für dieses Material und unser Konzept haben wir auch eine Auszeichnung erhalten.

VDID: Haben Sie sich von Anfang an auf dieses eine Material konzentriert oder gab es auch andere?

Stojanović: Unser Fokus lag von Beginn an auf expandiertem Polypropylen. Inzwischen arbeiten wir aber auch mit einem weiteren Material: PET, das cradle-to-cradle-zertifiziert ist. Dabei werden alte PET-Flaschen zu Filzwolle recycelt, aus der wir Akustikpaneele herstellen. Der Recyclinganteil liegt bei mindestens 60%.

VDID: PET wird doch überwiegend in Asien recycelt, oder?

Stojanović: Die Lieferkette für die PET Akustikpaneele sieht so aus: Die Paneele bestehen aus mind. 60% PET Rezyklat (60-75%), das Recycling findet direkt vor Ort in Asien statt und wird auch dort zu Plattenmaterial verarbeitet für einen kompakten Transport. Die Weiterverarbeitung erfolgt dann in Italien (Mailand) und bei uns in Stuttgart.

VDID: Für welche Leistung haben Sie den Preis erhalten?

Stojanović: Wir wurden in der Kategorie Möbel, Haushalt und Konsumgüter (Möbel- und Elektrohandel) ausgezeichnet. Die Jury hob besonders hervor, dass wir ausschließlich in Deutschland produzieren, unsere Möbel modular aufgebaut und aus einem einzigen Material gefertigt sind. Wenn ein Modul beschädigt wird, muss nicht das ganze Möbelstück ersetzt werden – man tauscht einfach das betroffene Teil aus. Das reduziert Müll erheblich. Allein in Europa fallen jährlich rund zehn Millionen Tonnen Möbelabfall an. Unser System ist in dieser Hinsicht ein nachhaltiger Gegenentwurf.

VDID: Haben Sie einen Tipp für junge Designerinnen und Designer?

Stojanović: Ja – denkt nicht nur an Konsum oder daran, Euch in bestehende Unternehmensstrukturen einzufügen. Schaut in die Zukunft, denkt an die nächsten Generationen. Arbeitet mit Herz, Seele und Verstand – und denkt nachhaltig.

VDID: Wo findet man Ihre Produkte?

Stojanović: Unsere Website ist www.movisi.com, unser Onlineshop ist unter shop.movisi.com  erreichbar.

VDID: Vielen Dank für das Gespräch!

Stojanović: Sehr gerne!

Das Interview führte Christina Sieghart für den VDID auf dem deutschen Nachhaltigkeitstag am 5. Dez. 2025 in Düsseldorf.

Impressionen zur Veranstaltung

  • natascha stojanovic1portrait20261205christina s1600x800
    Natascha Stojanovic von Movisi GmbH — © Christina Sieghart, VDID
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    Produkt beim DNP#25 — © Christina Sieghart, VDID

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