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Design in der Medizintechnik

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  • 15.04.2026
  • Quelle: Redaktion

Design in der Medizintechnik - im Spagat zwischen Einfachheit und Komplexität

In der Medizin steht der Mensch im Mittelpunkt. Der Ansatz des „User Centered Design“ richtet den Entwicklungsprozess konsequent an den Bedürfnissen der Anwendenden aus. In der Praxis bedeutet dies, medizinisches Fachpersonal zu begleiten, Arbeitsabläufe zu analysieren und kritische Nutzungssituationen frühzeitig zu erkennen.

Gleichzeitig bringt die Medizintechnik besondere Herausforderungen mit sich. Strenge regulatorische Vorgaben, höchste Sicherheitsanforderungen und die zunehmende Vernetzung von Systemen verlangen nicht nur methodische Exzellenz, sondern auch ein tiefes Verständnis für die Praxis vor Ort.

Besonders herausfordernd wird dies, wenn Nutzergruppen stark variieren und zugleich höchste Anforderungen an Sicherheit und Reaktionsgeschwindigkeit bestehen. Gerade in der Medizin können Fehlbedienungen schwerwiegende Folgen haben. Klare, intuitive Bedienkonzepte sind daher essenziell.

Denn Ergonomie umfasst nicht nur die physische Gestaltung, sondern auch die Optimierung der Mensch-Maschine-Interaktion. Mit der zunehmenden Integration digitaler Technologien entstehen neue Anforderungen an Schnittstellen, die relevante Informationen kontextabhängig bereitstellen und kognitive Belastungen reduzieren.

Ein bewährtes Prinzip lautet: Bedienung nach erlernten Mustern. Wer auf vertraute Abläufe zurückgreifen kann, arbeitet schneller, fehlerfrei und lernt leichter. Diese Simplizität ist besonders in Ländern mit eingeschränkter medizinischer Infrastruktur lebenswichtig.

Einfachheit im globalen Kontext

Ein herausragendes Beispiel hierfür ist der PV1000 – „The People’s Ventilator“, ein Charity-Projekt aus dem Jahr 2020. COVID-19 hat das Jahr 2020 fest im Griff und stellt eine ungemeine Herausforderung für die ganze Welt dar. Während in Industrieländern Beatmungsgeräte verfügbar waren, herrschte andernorts akute Knappheit. In Kamerun etwa gab es bei 27 Millionen Einwohnern nur drei Intensivbeatmungsgeräte, im Senegal vier Geräte für elf Millionen Menschen.

Der PV1000 wurde als schnelle und zugleich effektive Lösung konzipiert: ein kompaktes, vollwertiges Beatmungsgerät, das eine intuitive Bedienung ermöglicht und gleichzeitig höchsten Sicherheitsanforderungen gerecht wird. Darüber hinaus zeichnet sich das System durch einen einfachen, robusten Aufbau aus, ist kosteneffizient in der Herstellung, leicht vor Ort zu reparieren und kann mit minimalem Schulungsaufwand zuverlässig eingesetzt werden.

Die Entwicklung erfolgte im Lockdown, komplett remote und nach Methoden des Design Thinking. Erkenntnisse aus realen Anwendungen flossen in iterative Prototypen ein, Konzepte wurden früh getestet, Probleme identifiziert und korrigiert. Parallel dazu wurden Risikomanagement und Dokumentation berücksichtigt – essenziell für medizinische Produkte.

Das Ergebnis: Ein robustes Gerät, aus wenigen und einfachen Komponenten zum simplen Austausch in Entwicklungsländern, klar strukturiertem Display, einem Dreh-Druckknopf und zwei zusätzlichen Drucktasten. Kein Touchscreen, kein unnötiger Schnickschnack – alles folgt dem Grundsatz der einfachen, sicheren Bedienung.

Vernetzte Systeme im High-End-Bereich

Auch für den High-End-OP bleibt der Anwender oder die Anwenderin das zentrale Gestaltungsprinzip. Die X-Workstation ist ein Beispiel dafür, wie komplexe Bedienvorgänge intuitiv umgesetzt, ineinandergreifende Workflows transparent dargestellt und eine sichere, effiziente Bedienung gewährleistet werden können.

Die X-Workstation ist eine zentrale Bedienplattform für alle vernetzten Medizingeräte in OP und Intensivmedizin. Sie vereint eine herstellerübergreifende Gerätesteuerung, Workflow-Unterstützung, klinische Dokumentation und medizinische Entscheidungsunterstützung mit Integration von KI.

Mit dem Wandel hin zu „Software as a Product“ rückt die nutzerzentrierte Gestaltung komplexer, vernetzter Systeme in den Mittelpunkt. Ziel ist es, klinische Workflows effektiv zu unterstützen und gleichzeitig höchste Bediensicherheit zu gewährleisten. Denn in der Medizintechnik gewinnt UX Design zunehmend an Bedeutung.

Gerade integrierte OP- und Kliniksysteme zeigen eindrucksvoll, wie anspruchsvoll – und gleichzeitig unverzichtbar – gutes Design geworden ist. Es entwickelt sich zunehmend zum entscheidenden Faktor für Qualität, Sicherheit und Akzeptanz digitaler Lösungen im Gesundheitswesen.

Frank Beger von Beger Design, VDID Mitglied aus Köln

Impressionen

  • Innovation im OP durch vernetzte Medizintechnik
    Innovation im OP durch vernetzte Medizintechnik — © Frank Beger Design
  • Ergonomie am Besipiel Stosswellentherapie
    Ergonomie am Besipiel Stosswellentherapie — © Frank Beger Design
  • Peoples Ventilator Beatmungsgeraet fuer dritte Welt
    Peoples Ventilator - Beatmungsgerät für dritte Welt — © Frank Beger Design
  • PV1000 Einfache Technologie leicht bedienbar und sichere Anwendung
    PV1000 - Einfache Technologie, leicht bedienbar und sichere Anwendung — © Frank Beger Design
  • Slider VDID Workstation Smartphone
    Workstation_Smartphone — © Frank Beger Design

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