zurück
Meldungen

Design und Bildung

Teilen
  • 10.02.2026
  • Quelle: Redaktion

Bildung für, über, mit und durch Design

„Vielleicht verhält es sich mit der Verbindung zwischen Design und Bildung ganz ähnlich wie mit Design und Forschung.“ Manja Unger-Büttner, Fachhochschule Dresden, Vertretungsprofessur für Designforschung mit Schwerpunkt Designphilosophie und Ethik, VDID Vorsitzende Region 06.

Als Designphilosophin mit einem VDID Fachbeitrag zu Design und Bildung betraut, kann ich nicht umhin, in aller Kürze generelle Überlegungen zu den begrifflichen Zusammenhängen anzustellen. Diese treffen mich nicht völlig unvermittelt. Über meine Erfahrungen in der Lehre an Design-Fakultäten hinaus habe ich durch meine Mitgliedschaft im VDID die Möglichkeit, in Gremien mitzuwirken, die sich ausdrücklich mit Design und Bildung befassen. Zunächst zu nennen ist da der Rat für Bildung des Deutschen Designtags (DT), der Dachorganisation der Fach- und Berufsverbände im Design. Daraus ergab sich durch den DT die Möglichkeit, im Deutschen Kulturrat in dessen Fachausschuss Bildung mitzuwirken. Die folgenden Überlegungen allerdings wurden direkt durch die Themenstellung dieses Beitrags angestoßen.

Design-Pädagogik – Design-Didaktik – Didaktik-Design
Im deutschsprachigen Design-Diskurs zeigen sich die Begriffe Bildung und Design in dieser direkten Verbindung eher verstreut oder punktuell. In Internet- oder KI-Suchen begegnet dabei schnell der Begriff Designpädagogik. In der gleichnamigen Schriftenreihe des Deutschen Designmuseums sollen die vielfältigen Themen der Designpädagogik adressiert werden: „gesellschaftsrelevante Kreativität, postindustrielle Lebensentwürfe, nachhaltige Zukunftsgestaltung, kulturelle Transformation u.v.m.“ Der erste Band dieser Reihe in Herausgeberschaft von June H. Park war 2016 der Design-Didaktik gewidmet – der Design-Lehre als bildungswissenschaftlichem Thema.

Die Verbindung von Pädagogik, aber auch Didaktik und Design scheint allerdings in zwei Richtungen interpretierbar: einmal als Didaktik/Pädagogik für die Designausbildung, andererseits aber auch im Sinne gestalterischer Ansätze für die Schul- oder Hochschul-Bildung im Allgemeinen – Stichworte wie Didaktisches Design, Learning Design, Instructional Design bieten sich hier an.

Diese Flexibilität in der gegenseitigen Bezugnahme von Begriffen lässt sich produktiv fortsetzen, wenn gängige Formulierungen über die Design-Forschung auf Design und Bildung angewendet werden. So wird Design-Forschung ja bekanntlich regelmäßig aufgefächert in Forschung für, über, sowie mit und durch Design.

Bildung für Design
Hierunter werden primär sicherlich Bildung und Design in Bezug auf die Ausbildung in gestalterischen Berufen verstanden. Das Thema Bildung wird so z.B. auch in dem beachtenswerten, druckfrischen Handbuch Designwissenschaft auf die (Hochschul-)Bildung des gestalterischen Nachwuchses bezogen. Der Artikel von René Spitz, Gestaltungshochschulen – Gestaltungsfakultäten – Gestalterische Studiengänge, in seinem Blick auf Designwissenschaften, ist absolut lesenswert.

Bildung über Design
Diese dürfte innerhalb der Design-Ausbildung verortet werden – Bildung im von Wissen über Design-Praktiken und -Methoden, über Designgeschichte, die Geschichte der Design-Ausbildung selbst ebenso wie die Geschichte des Design-Begriffs usw.. Bildung über Design muss nicht zwingend auf Design-Hochschulen beschränkt sein. Ich selbst habe erleben können, dass diese Perspektive z.B. bereits an Grundschulen wirksam sein kann. An diesem Punkt zeigt sich bereits eine Verbindung zur nächsten Kategorie:

Bildung mit Design
Anhand von Design-Methoden, wie auch -Artefakten durfte ich einen Workshop an einer Dresdner Grundschule begleiten, gefördert damals vom Deutschen Designmuseum. Die Designerin Annett Löser eröffnete den Kindern Zugänge zu Themen wie Modularität, aber auch Nachhaltigkeit und grundlegende gestalterische Zugangsweisen zu Themen von heute und der Zukunft. Ganz ähnlich scheint mir auch die Arbeit des Rates für Bildung des DT ausgerichtet: Design-Fähigkeiten als eine der Schlüsselkompetenzen für den Umgang mit den Unwägbarkeiten der Zukunft. Diese Perspektiven können erweitert werden durch direkte gestalterische Interventionen und im Bildungsprozess. Spätestens hier allerdings stellt sich die Frage: Was ist eigentlich Bildung?

Sobald im Rahmen dieser Definition von Bildung auch Begriffe wie Werte oder Urteile auftauchen, können folgende Überlegungen anschließen:

Bildung durch Design
Um abschließend an die eingangs erwähnte Parallele anzuknüpfen: Forschung durch Design bringt in der Regel Erkenntnisse hervor, die weit über das Gestalterische selbst oder eine Problemlösung hinaus gehen. Forschung durch Design verknüpft gestalterische Zugänge produktiv mit wissenschaftlichen, bis hin zu ethisch-moralischen Fragestellungen.

Zu betonen ist hier nun das konstituierende Moment dieser Art von Forschung: Indem z.B. meine Studierenden durch ihre gestalterischen Möglichkeiten nicht nur kreative, sondern auch forscherische, denkerische Spielräume durchschreiten, können sie Lösungen für z.B. soziale, aber auch ökologische Fragestellungen finden, die gar nicht primär gestalterischer Natur waren. Dabei entwickeln sie sich auch als Menschen weiter. Das würden sie durch Belehrung o.ä. freilich auch. Durch gestalterische Zugänge zu bildungsrelevanten Themen werden Lernende aber nicht nur „gebildet“. Sie verändern sich auch als Menschen, im Sinne einer Subjekt-Konstitution, wie sie Michel Foucault sie für Fragen der Moral und Ethik thematisiert hatte: Indem ich mich zu den Gegebenheiten und Regeln in meiner Umgebung gestaltend verhalte, konstituiere ich mich als Subjekt immer wieder neu.

In genau dieser Hinsicht scheint die VDID Projektgruppe Ethik.Design einen einzigartigen Zugang zur Bildung durch Design freigelegt zu haben. Wie andernorts dargelegt, kann das Entwerfen von Zukunftsbildern einen Zugang zu wesentlichen Fragen der Ethik und Werte bieten. Das Utopisieren also nicht primär zum Entwerfen von Zukünften, sondern als Werkzeug der Reflexion auf die Frage: Was können wir für die Zukunft wollen?

Im Austausch mit Eileen Mandir zu ihrem Buch Zukünfte gestalten, anlässlich der DT-Design-Konferenz Dive’25 in München konnte unser utopisierender Zugang zur Ethik mit ihrem methodischen Zugang zum Design Futuring verknüpft werden. Während das Design Futuring als Methode stark als strategische Leistung für die Wirtschaft – Unternehmens-, Produktentwicklung etc. – gedacht wird, kann der Zugang des VDID zu Werten und Haltung über das Entwerfen von Zukünften als Tool nun auch direkt auf die Bildung von Persönlichkeiten bezogen werden. Diesen Gedanken sollten wir weiterverfolgen.

Manja Unger-Büttner, VDID Vorsitzende Region 06 Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen 
FH Dresden Fakultät Design, VDID Projekgruppe Ethik.Design

Impressionen

  • Fachhochschule Dresden Sandra Salm1 1600x800
    Fachhochschule Dresden Workshop — © Sandra Salm, FHD
  • Fachhochschule Dresden Sandra Salm FHD XR Prototyping Workshop1600x800
    Fachhochschule Dresden - XR-Prototyping-Workshop — © Sandra Salm FHD

Abonniere den VDID Newsletter

Trage Deine E-Mail-Adresse hier ein, um den VDID Newsletter zu abonnieren.

Meine Einwilligung kann ich jederzeit per Mail an newsletter@vdid.de oder per Link in den Newsletter widerrufen.

Für den Versand unserer Newsletter nutzen wir rapidmail. Mit Ihrer Anmeldung stimmen Sie zu, dass die eingegebenen Daten an rapidmail übermittelt werden. Beachten Sie bitte deren AGB und Datenschutzbestimmungen .

VDID Logo rgb3x