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Berufsbild Industriedesign

Die gestaltete Welt unterliegt dem grundlegenden Wandel. Digitalisierung, Demographie, veränderte soziale und ethische Wertvorstellungen befördern die stetige Erneuerung der Produktkultur. Der VDID formuliert daher das erneuerte Verständnis des Berufs der Industriedesigner/innen. Denn ihnen kommt künftig, mehr noch als bislang, eine ausgesprochen bedeutende wie verantwortungsvolle Aufgabe zu. Mit dem vorliegenden Berufsbild schöpft der Verband aus dem Erfahrungsschatz seiner Mitglieder. Zugleich empfiehlt sich der VDID als Ansprechpartner für alle an diesem Beruf Interessierten, für angehende Studierende wie für seine Mitglieder, für Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit.

1. Aufgabe
2. Bedeutung
3. Tätigkeitsfelder
4. Kompetenzen, Studium, Weiterbildung


1. Aufgabe

Industriedesigner/innen befassen sich mit der Gestaltung von Produkten oder Systemen.
Sie achten nicht allein darauf, dass diese ihren jeweiligen Zweck bestmöglich erfüllen, auch dass Produkte oder Systeme Nutzen bringen und wirtschaftlich herstellbar sind, steht im Fokus gestalterischer Aktivität. Industriedesign gibt den Dingen Sinn, es macht sie effizient und verständlich.

Industriedesigner/innen folgen bei ihrer Arbeit einem ganzheitlichen Ansatz. Ziel ihrer Tätigkeit ist es, die mitunter gegensätzlichen Interessen von Käufern, Nutzern sowie Produzenten zu erkennen und sie mittels ihrer Entwürfe in Einklang zu bringen. Dabei beachten sie aktuelle Erkenntnisse zu sozialen, ökonomischen und ökologischen Belangen.

Neben technischen, analytischen und kommunikativen Kompetenzen nutzen Industriedesigner/innen ihre formalästhetischen Kenntnisse und Fähigkeit, um die Erscheinung und Attraktivität des jeweiligen Objektes oder Systems zu formen und zu optimieren.

Die Gestaltung seriengefertigter Gebrauchs- und Investitionsgüter gehört zum Kern des Berufsbildes Industriedesign. Darin unterscheidet sich dieses Tätigkeitsfeld von anderen Gestaltungsberufen, die auf Unikate oder vorwiegend visuelle Lösungen abzielen.

Neben der bereits erwähnten Berücksichtigung von optimaler Funktion, Effizienz sowie der Kenntnis und Beachtung unmittelbarer ökonomischer und sozialer Effekte gehören weiterreichende Aspekte zum Berufsbild Industriedesign: Etwa Schaffung und Erhalt von materiellen und ideellen Werten eines Unternehmens, die mit den Erwartungen der Gesellschaft in Einklang stehen. Aber auch das Streben nach besseren, zukunftsweisenden Lösungswegen.

Aufgrund der Vielzahl zu gestaltender Produkte und Prozesse sowie den daraus resultierenden Anforderungen untergliedert sich das Berufsbild Industriedesign in zahlreiche Fachgebiete und Spezialisierungen. So wie sich sozialer und demografischer Wandel, Digitalisierung, veränderte Produktionstechniken sowie veränderte Unternehmens- oder Markenstrategien auf Art und Beschaffenheit der Produkte auswirken, so verändern sich auch die Schwerpunkte des Industriedesigns. Forschungsbasierte Aspekte, handwerkliche, künstlerische und markenspezifische Anteile des Industriedesigns gewichten sich dabei neu.


2. Bedeutung

Die Arbeit von Industriedesigner/innen hat in der globalen Produktwelt des 21. Jahrhunderts herausragende ökonomische Bedeutung.
Industriedesigner/in zu sein bedeutet, Aufgaben zu erkennen und Lösungen verantwortlich zu entwickeln. Der wirtschaftliche Erfolg von Unternehmen und Marken – mitunter die Entwicklung ganzer Branchen – hängt maßgeblich von Kompetenz und Einfluss der Designverantwortlichen ab. Mit dieser ökonomischen Bedeutung einher geht eine besondere Verantwortung von Industriedesigner/innen soziale und ökologische Aspekte zu beachten.

Industriedesigner/innen beeinflussen das Warenangebot und die Art und Weise des Zusammenlebens in einer Gesellschaft, sie können Unternehmen zu Erfolgen verhelfen und nehmen dadurch indirekt Einfluss auf Kapitalströme und die Bewertung von Unternehmen. Sie wirken an der Alltagskultur prägend mit und greifen entwerfend der Zukunft voraus.

Globale Produktionsprozesse, der Einsatz von Rohstoffen, gesellschaftliche und kulturelle Verhältnisse liegen im direkten Einflussbereich global agierender Unternehmen und dementsprechend auch der Designschaffenden, die für diese tätig sind. Das Versprechen Nutzen zu stiften ist somit nicht nur ökonomisch, sondern auch sozial relevant. Der VDID Codex der Industriedesigner/innen fokussiert diese Fragestellungen, um Kernaspekte der Entwurfstätigkeit als Berufsethik zu formulieren.


3. Tätigkeitsfelder

Der Entwurfsprozess entspricht einem bewährten, komplexen und zunehmend interdisziplinären Ablauf.
Neben den Kernbereichen von Unternehmen, wie Leitungsebene, Entwicklung, Fertigung, Marketing und Vertrieb, sind oftmals Spezialisten weiterer Disziplinen (Wahrnehmungspsychologen, User Experience-Spezialisten, Software- und Werkstoffentwickler, etc.) am Designprozess beteiligt. Im Prozess der Produktentwicklung übernehmen Industriedesigner/innen bedeutsame Aufgaben. Als Manager und Moderator integrieren sie die wesentlichen Aspekte eines neuen Produktes in die Entwicklung. Im Abstimmungsprozess kreieren sie neue lösungsorientierte Produkte und Systeme. In der Umsetzung machen sie durch konsequentes, fachlich orientiertes Gestalten definierte Produkteigenschaften für Nutzer zugänglich und erlebbar.

Wegen seiner besonderen Rolle ist Design häufig Grundlage einer zukunftsorientierten Unternehmensstrategie, die maßgebliche Aspekte der Markenbotschaft vermittelt. Dementsprechend sind das Designmanagement bzw. Beratungsleistungen Tätigkeitsfelder, in denen Industriedesigner/innen an einer nachhaltigen Strategie beteiligt sind. Ureigene Aufgabe der Industriedesigner/innen ist die kompetente Entwicklung, Beurteilung und Umsetzung von Entwurfsideen.

Die Designwirtschaft in Deutschland ist insbesondere im Bereich Industriedesign maßgeblich durch eine Vielzahl auf Themen oder Produktbereiche spezialisierter Designunternehmen geprägt. In nahezu allen Branchen gibt es für sie nationale wie globale Auftraggeber. Unternehmen, die über eine eigene Designabteilung verfügen, stellen Industriedesigner/innen häufig fest an. Eine besondere Rolle spielen Designunternehmer, die ihre Entwürfe selbst produzieren und vermarkten.


4. Kompetenzen, Studium, Weiterbildung

Der Beruf Industriedesign erfordert ästhetisches Gespür und Einfühlungsvermögen für optimierte Prozesse bzw. Nutzungen.
Industriedesigner/innen arbeiten überwiegend generalistisch, sie vermitteln zwischen Disziplinen bzw. verknüpfen Disziplinen projektbezogen. Studiengänge des Industriedesigns gibt es in unterschiedlicher Ausrichtung und Profilierung an Fachhochschulen, Kunsthochschulen, Technischen Hochschulen und Universitäten im gesamten Bundesgebiet. Neben Bachelor- und Masterstudiengängen werden Promotionsmöglichkeiten mit Forschungshintergrund im Industriedesign angeboten. Die Studiengänge bieten mit unterschiedlicher Akzentuierung eine Synthese von technischen, funktionalen, künstlerischen und humanwissenschaftlichen Aspekten, unter Beachtung wirtschaftlicher und ökologischer Faktoren.

In der Regel führen die Studiengänge an Hochschulen und Universitäten ein Auswahlverfahren durch, um geeignete Bewerberinnen und Bewerber auszuwählen. Das Studium soll insbesondere die Grundlagen in den Bereichen Entwurf, Ergonomie, Entwicklung, Management, Betriebswirtschaft, Konstruktion, Fertigungstechnologien, Materialkunde, User-Experience und Markenbildung vermitteln. Schwerpunkt des Studiums bilden Kernkompetenzen als Gestalterin oder Gestalter – wozu auch Methoden des Designprozesses gehören. Kenntnisse der jungen Geschichte des Industriedesigns und die Auseinandersetzung mit theoretischen Ansätzen gehören dazu. Auch die Fähigkeit, eigene Erkenntnisse und Positionen in interdisziplinäre Prozesse einzubringen, sie anderen plausibel zu machen und somit in der Lage zu sein, optimale Lösungen auszuhandeln, gehören zu maßgeblichen Grundlagen des Berufs.

Die Interdisziplinarität des Designprozesses erfordert, dass Industriedesigner/innen auch Kenntnisse anderer Disziplinen mindestens in den Grundzügen erwerben. Die Tätigkeit im Entwicklungsbereich erfordert eine vorausschauende, zukunftsorientierte Denkweise. Dies alles bedeutet, dass Industriedesigner/innen angesichts des permanenten Wandels von Fachwissen und Anwendungsbereichen ihrer Weiterbildung besondere Aufmerksamkeit widmen müssen. Damit Berufsangehörige ihre Kenntnisse anpassen und erweitern, sollten sie eigene Aktivitäten entwickeln. Entsprechende berufsbegleitende Weiterbildungsangebote bieten neben Hochschulen auch Berufsverbände wie der VDID.

Stand September 2015

Die Position des VDID im Berufscodex

VDID Berufsbild Industriedesign - Stand Sept. 2015 (PDF)

 
Stefan Eckstein

Was macht den Beruf des Industriedesigners aus?

VDID formuliert das Berufsbild neu

Nach dem Prozess der Abstimmung innerhalb des VDID über diese Auseinandersetzung der Profession mit den Aufgaben, der Bedeutung, den Tätigkeitsfeldern und den Kompetenzen der qualifizierten Industriedesigner/innen, stellt sich der VDID der Diskussion mit der interessierten Fachöffentlichkeit. Alle Industriedesigner/innen und Lehrenden, alle Interessierten und Engagierten sind herzlich eingeladen, dem VDID Vorstand Rückmeldungen, Kommentare und Anregungen zum Berufsbild Industriedesign zu senden. Wir freuen uns auf eine rege Diskussion!

Ihr Stefan Eckstein
VDID Präsident

E-Mail:

 
 

Stellungnahme zum Berufsbild „Technischer Produktdesigner

Seit August 2005 gibt es das neue Ausbildungsprofil Technischer Produktdesigner. Der Schwerpunkt des dreijährigen Ausbildungsberufes liegt in der Konstruktion und Gestaltung von Produkten, in der Berechnung und Simulation von CAD-Modellen, sowie Prozess– und Projektmanagement. Neben umfangreichen Kenntnissen in den Bereichen Werkstofftechnik, Fertigungsmontage und Fügeverfahren benötigt der Technische Produktdesigner eine hohe Fachkompetenz im Umgang mit Formen und Gestaltungsregeln. „Die Arbeit von Technischen Produktdesignern/innen beginnt unmittelbar, nachdem jemand eine Idee für ein neues Produkt äußert. Dies kann jemand aus der Entwicklungsabteilung des eigenen Unternehmens oder ein externer Auftraggeber sein.“ (lehrer-online)

Hier setzt die Arbeit des VDID an: Wir können und wollen nicht akzeptieren, dass dieser neue Ausbildungsberuf mit dem Titel „Designer“ bezeichnet wird. Auch wenn dies in Kombination mit „technisch“ steht, sehen wir eine große Verwechslungsgefahr mit diplomierten Designern. Welcher Auftraggeber kann unterscheiden, welche Qualifikation vorliegt, zumal das Ausbildungsprofil des Technischen Produktdesigners ähnliche Ziele beinhaltet, wie das eines Studiums des Produktdesigns oder Industrial Designs. In diesem Zusammenhang wurden verschiedene Institutionen (bis hin zum Wirtschaftsministerium) und die einschlägige Presse von uns aufgefordert, Stellung zu beziehen und sich zu dieser Entscheidung zu äußern.

 
 

Offener Brief

„Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit führt ein neues Berufsbild ein, das den Namen „Technischer Produktdesigner / Technische Produktdesignerin“ trägt. Dieser neue Beruf soll in einer dreijährigen Ausbildung im Betrieb und der Berufsschule erlernt werden.

Dass die Nähe gesucht wird zu den eingeführten Berufen „Produktdesigner/in“ und „Industriedesigner/in“, ist offenkundig. Doch die Namensähnlichkeit täuscht. Die Ausbildung der kreativen Kompetenz spielt fast keine Rolle. Im Ausbildungsrahmenplan werden gerade drei Schlagworte zum Thema aufgeführt: a) Grundlagen der Gestaltung anwenden, b) Designvorgaben nach technischen, funktionalen und ästhetischen Gesichtspunkten beachten und umsetzen, c) Visualisierungstechniken anwenden.

Für alle drei gestaltungsrelevanten Punkte zusammen – die in keiner Weise näher definiert werden – sind gerade mal 6% der Ausbildungszeit vorgesehen. Zum Vergleich: Der Erstellung einer Technischen Dokumentation werden 25% der Zeit gewidmet.

Die Diskrepanz zwischen Verpackung und Inhalt ist skandalös. Fahrlässig wird den Unternehmen, die professionelle Gestaltung benötigen, suggeriert, dass die ominösen „Technischen Produktdesigner“ vergleichbare Leistungen bieten würden wie Produktdesigner und Industriedesigner. Dass dadurch Fehlbesetzungen, Fehlentscheidungen und Fehlinvestitionen provoziert werden, liegt auf der Hand. Gerade der Mittelstand kann sich Fehlinvestitionen nicht leisten; unternehmerische Existenzen und zahlreiche Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.

Der VDID Verband Deutscher Industrie Designer, die größte berufsständische Vereinigung der Industriedesigner und Produktdesigner, fordert das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit nachdrücklich auf, die irreführende Bezeichnung umgehend zu korrigieren."